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Was Erwachsene über Kinderschutz wissen sollten

Kinder schützen - Zukunft stärken Präventions- und Kinderschutzprojekt für Kitas und (Grund-)Schulen im Erzgebirgskreis

 

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„Hinschauen statt wegschauen": 9 Tipps zum Kinderschutz im Interview mit Mareike Zedler, Verantwortliche für den Bereich Präventionsangebote für Kitas und Schulen des ASB Erzgebirge.

„Woran merke ich eigentlich, dass ein Kind Hilfe braucht?“ Eine Frage, die viele Erwachsene beschäftigt und auf die es keine einfache Antwort gibt. Denn Kinder sagen nicht immer direkt, wenn es ihnen nicht gut geht oder sie etwas belastet. Häufig zeigen sie es vielmehr durch ihr Verhalten.

Mareike Zedler, Verantwortliche für den Bereich Präventionsangebote für Kitas und Schulen beim ASB Erzgebirge, kennt diese Situationen aus ihrer Arbeit. Sie weiß, worauf Erwachsene achten können, warum Prävention bereits im Alltag beginnt und weshalb es so wichtig ist, Kindern zu vermitteln: Du wirst gesehen, du wirst ernst genommen und du darfst dir Hilfe holen.

Hinschauen beginnt mit Veränderungen

„Man merkt es vor allem daran, dass sich das Kind auffällig oder merklich verändert“, erklärt Mareike Zedler. Ein Kind kann plötzlich sehr ängstlich, traurig oder zurückgezogen sein. Es kann aber auch genau das Gegenteil passieren: Es wird plötzlich sehr aufbrausend und wütend.

Solche Veränderungen können darauf hindeuten, dass sich etwas in der Lebenssituation des Kindes verändert hat und es damit nicht zurechtkommt oder nicht weiß, wie es damit umgehen soll. Ein einzelnes Verhalten ist dabei noch kein Beweis für ein Problem. Entscheidend ist immer das Gesamtbild.

Auch plötzlich auftretende starke Stimmungsschwankungen, unerklärliche Ängstlichkeit oder Gereiztheit können Hinweise sein. Ebenso körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen. „Ich möchte aber noch einmal betonen, dass dies nicht automatisch bedeutet, dass etwas passiert ist, aber man sollte es nur immer ernst nehmen“, sagt Zedler.

Genau hier beginnt für sie Kinderschutz: beim aufmerksamen Hinschauen. Erwachsene sollten auf ihr Bauchgefühl hören und die Nöte und Ängste von Kindern ernst nehmen. Im besten Fall werden Kinder frühzeitig gestärkt. Genau hier setzt Prävention an.

Prävention bedeutet mehr als Gefahren zu vermeiden

Prävention bedeutet zunächst Vorbeugung. Kinder sollen frühzeitig auf Gefahren aufmerksam gemacht, aufgeklärt und geschützt werden, damit Risiken verhindert werden können. Für Mareike Zedler ist Prävention jedoch vor allem mit Resilienzförderung verbunden. Kinder sollen in ihrer Widerstandsfähigkeit und Widerstandskraft gestärkt werden, damit sie Stress, Misserfolge und Krisen meistern können.

Dazu gehört vieles, was im Alltag ganz selbstverständlich beginnen kann: stabile Bindungen und verlässliche Bezugspersonen, Gefühle kennen und zulassen, Strukturen und Regeln, Fehler machen und daraus lernen. Auch Verantwortung zu übernehmen gehört dazu, denn dies stärkt wiederum das Selbstwertgefühl.

Kinder müssen wissen, was sich für sie gut anfühlt und was nicht. Sie müssen lernen, Nein sagen zu können, Hilfe zu holen und Vertrauenspersonen zu kennen. Sie sollen sich ihren Vertrauenspersonen und Bezugspersonen öffnen können, um sich so vor Gefahren zu schützen.

Dazu gehört auch, die eigenen Gefühle zu kennen und zu benennen, aber ebenso die Gefühle anderer zu erkennen und entsprechend zu handeln. Gleichzeitig stärkt dieses Wissen das Selbstvertrauen der Kinder.

Sicherheit vermitteln, ohne Angst zu machen

Für Eltern stellt sich dabei häufig die Frage, wie sie ihre Kinder schützen können, ohne sie ständig mit möglichen Gefahren zu konfrontieren. Auch hier sieht Mareike Zedler einen wichtigen Ansatz in der Resilienz.

„Eltern können altersgerecht und ohne Angst zu machen Kinder stärken“, sagt sie. Es gehe darum, Sicherheit zu vermitteln, ohne Angst zu erzeugen. Kinder sollten nicht vor der ganzen Welt geschützt werden. Vielmehr sollten Erwachsene ihre Kinder stärken und sie Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit begleiten.

Das kann gelingen, indem offen über Gefühle, Grenzen und ein gesundes Bauchgefühl gesprochen wird. Auch das Nein sagen kann geübt werden. Kinder sollten wissen, dass sie über alles reden können.

Gleichzeitig ist es für Eltern wichtig, die Gefahren zu kennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn nur wer selbst informiert ist, kann Kindern Orientierung und Sicherheit geben.

Unterstützung beginnt nicht erst, wenn ein Kind danach fragt

Doch was ist, wenn ein Kind nichts sagt? Auch dann können Erwachsene aufmerksam sein. Kinder sagen nicht immer: „Mir geht es nicht gut“ oder „Mich belastet etwas“. Sie zeigen es häufig durch ihr Verhalten.

Entscheidend ist deshalb, Veränderungen wahrzunehmen und ernst zu nehmen, hinzuschauen und zuzuhören. Oft reicht bereits ein einfaches Angebot zum Reden, ohne Druck auszuüben. Ein Kind sollte spüren: Ich sehe dich.

„Für mich beginnt Unterstützung für das Kind nicht erst, wenn es ausdrücklich danach fragt“, betont Zedler. „Vielmehr beginnt die Unterstützung bereits mit dem aufmerksamen Hinschauen.“

Grenzen kennen und Hilfe holen

Ein wichtiger Bestandteil von Prävention ist deshalb, dass Kinder ihre eigenen Grenzen kennen. Sie sollen wissen, was sich für sie gut oder schlecht anfühlt, und lernen, Grenzen zu benennen.

Dazu gehört auch, zu wissen, wann und wo Hilfe geholt werden kann und welche Vertrauenspersonen zur Verfügung stehen. Kinder sollen erfahren, dass es in Ordnung ist, sich anderen anzuvertrauen.

Für Erwachsene gilt dabei ebenfalls: Niemand muss auf schwierige Situationen allein eine Antwort haben.

Unsicherheit ist menschlich

In ihrer Arbeit erlebt Mareike Zedler immer wieder, dass Erwachsene unsicher sind. Es mangelt häufig an Handlungssicherheit und das Thema verunsichert.

„Das Schlimmste wäre, dass man aufgrund dessen nicht hinschaut bzw. dem Kind nicht signalisiert, dass es zu jeder Zeit ernst genommen wird“, sagt sie.

Gerade deshalb seien Fortbildungen und Schulungen so wichtig. Fachkräfte sollten sich mit dem Thema auseinandersetzen und mehr Sicherheit im Umgang mit möglichen Situationen gewinnen. Auch beim ASB Erzgebirge gibt es entsprechende Angebote für Fachkräfte.

Über Gewalt und Grenzverletzungen zu sprechen, fällt vielen Menschen schwer. Mareike Zedler sieht einen Grund darin, dass das Thema stark mit Scham verbunden ist. Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen, nicht ernst genommen zu werden, eine Situation noch schlimmer zu machen oder fühlen sich schlicht hilflos.

Doch gerade Schweigen kann dazu führen, dass Kinder mit ihren Erfahrungen allein bleiben.

Deshalb ist es wichtig, Kindern das Gefühl zu geben: Du darfst sprechen. Du wirst ernst genommen.

Gleichzeitig braucht es eine Kultur, in der über solche Themen gesprochen werden darf, ohne sofort zu verurteilen oder Schuld zuzuweisen. Auch Erwachsene dürfen zugeben, dass sie sich mit dem Thema unwohl fühlen.

„Es ist vollkommen in Ordnung, wenn man als Fachkraft sagt: Mir ist dieses Thema unangenehm, ich fühle mich hilflos und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll“, erklärt Zedler. Das sei völlig normal. Man kenne damit seine eigenen Grenzen und zeige gleichzeitig auf, dass Handlungsbedarf besteht und man beispielsweise durch Fortbildungen und Gespräche mehr Sicherheit erlangen möchte.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Besonders pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte haben im Alltag viele Möglichkeiten, Kinder zu unterstützen. Aufmerksam hinschauen und zuhören, Veränderungen ernst nehmen und eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffen, sind dabei zentrale Punkte.

Auch hier gilt: auf das eigene Bauchgefühl hören.

Darüber hinaus sollten regelmäßige Schulungen und Fortbildungen zum Thema Kinderschutz besucht werden. Fachkräfte sollten die entsprechenden Abläufe kennen, nicht alleine handeln und sich Unterstützung bei zuständigen Fachstellen holen.

Für Mareike Zedler ist dabei eines besonders wichtig: Verantwortung darf nicht einfach weitergegeben werden. Es sollte nicht davon ausgegangen oder darauf gehofft werden, dass sich andere Fachkräfte, beispielsweise die Schulsozialarbeit, um eine Situation kümmern werden.

„Jeder kann und sollte seinen Beitrag leisten“, sagt sie. Schließlich kann jeder Mensch für ein Kind eine Vertrauens oder Bezugsperson sein. Und wenn ein Kind sich jemandem anvertraut, sollte diese Person wissen, wie sie reagieren kann.

Hinschauen statt wegschauen

Was Mareike Zedler sich von Eltern, pädagogischen Fachkräften und eigentlich von uns allen wünscht, lässt sich in wenigen Worten zusammenfassen: mehr Mut.

Mut zum Hinschauen statt Wegschauen. Mut zu offenen Gesprächen. Mut dazu, sich gegenseitig zu unterstützen, im Team ebenso wie in der Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften.

Auch wenn das Thema schwierig und oft unangenehm ist, sollte es gerade deshalb nicht aus der Praxis ausgeklammert werden. Kinderschutz beginnt nicht erst dann, wenn bereits etwas passiert ist. Er beginnt im Alltag, in Beziehungen und in der Aufmerksamkeit für die Kinder, die uns anvertraut sind.

Und vielleicht ist es genau diese Haltung, die Kindern am meisten Sicherheit gibt: zu wissen, dass sie gesehen werden und dass sie sich an jemanden wenden können.

Wenn Mareike Zedler jedem Kind einen Satz mitgeben könnte, wäre es dieser:

„Du bist wichtig, dein Nein zählt, hol dir Hilfe!“

Oder, wenn es wirklich nur ein kurzer Satz sein soll: „Du bist nicht allein!“

 

Mehr zu unseren Präventionsangeboten für Kitas und Schulen ->hier

Ansprechpartnerin

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Mareike Zedler
Projektleitung Prävention / Ansprechpartnerin Kinderschutz
E-Mail: 8L9oG?ax%euB=4A/+hNrm^}jnd]#[!T4U%%GkBGizEs0*mN-\`FcrSJ