Arbeiter-Samariter-Bund Erzgebirge e.V.
ASB Kreisverband Erzgebirge e.V.

Einzelansicht

Im Erzgebirgskreis mangelt es an seniorengerechten Wohnungen

Barrierefreie Dusche, schwellenfreie Türen, Aufzug — für viele Vermieter in der Region scheinbar Fremdwörter. Dabei haben Forscher alarmierende Zahlen veröffentlicht.

Den Lebens­abend zuhause und nicht im Pflege­heim verbringen zu können, wün­schen sich wahrscheinlich die meis­ten. Aber oftmals mangelt es gerade an den kleinen Lebenshilfen für äl­tere Menschen, die einen großen Ef­fekt auf das Altwerden in den eige­nen vier Wänden haben. Auch im Erzgebirgskreis fehlt es an senioren­gerechten Wohnungen. Das zeigen alarmierende Zahlen, die Forscher des Pestelinstituts, die unter ande­rem den Wohnungsmarkt analysie­ren, veröffentlicht haben.

Laut einer regionalen Untersu­chung gibt es im Landkreis knapp 63.000 Senioren-Haushalte. Dem­nach lebt in 36 Prozent aller Hausge­meinschaften ein Mensch, der 65 Jahre oder älter ist. Laut Frank Müller vom Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunter­nehmen ist der Markt darauf nicht vorbereitet: „Nur ein geringer Teil der rund 197.000 Wohnungen im Erzgebirgskreis ist überhaupt senio­rengerecht". Auch Karsten Pacho­leck, Geschäftsführer des Kreisver­bands des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB), kennt den enormen Nachhol­bedarf in der Region: „Wir rasen auf­grund der demografischen Entwick­lung auf eine schwierige Situation zu. Doch viele Vermieter machen noch nicht ihre Hausaufgaben. Sie erkennen nicht die Vorteile, Woh­nungen fit fürs Alter zu machen."

Das bestätigt auch Stephan Hahnl, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins Erzgebirge. „Altersgerechtes Sanieren ist bei uns kein Thema." Immerhin gehören seinem Verein noch etwa 200 Mit­glieder an. „Wir haben andere Prob­leme, zum Beispiel immer niedriger werdende Mieten und Leerstand von Häusern", sagt Hahnl.

Aber es gibt durchaus ebenso po­sitive Beispiele. Unter anderem in Stollberg und Schneeberg, wie Karsten Pacholeck mitteilt. „Selbstbe­stimmtes Wohnen ist bei uns ein Thema", sagt Peter Stimpel, Ge­schäftsführer der Wohnungsbauge­sellschaft Schneeberg. „Wir versu­chen Mietern, die älter werden und Veränderungen wollen, schrittweise solche Wünsche zu erfüllen." Die Kosten für Maßnahmen wie eine schwellenfreie Dusche werden dann entsprechend zwischen Mie­ter und Vermieter geteilt. Zudem sei­en, so Stimpel, neun Prozent seines Wohnbestandes bereits barrierefrei, weitere zehn Prozent werden aktu­ell entsprechend saniert.

Zahlen, die laut Pacholeck über dem Durchschnitt liegen. Deshalb wünscht sich der ASB-Chef eine bes­sere Zusammenarbeit mit den Un­ternehmen. „Schließlich profitieren alle, wenn Menschen so lange wie möglich in ihren Wohnungen blei­ben können." Mithilfe des Landkrei­ses bietet der ASB-Erzgebirgsver­band seit 2012 Senioren zum Thema altersgerechter Umbau eine kosten­lose Beratung an. „Denn viele sind mit solchen Maßnahmen überfor­dert. Schon beim Förderantrag. Der Pflegezuschuss beträgt seit diesem Jahr immerhin 4000 Euro", erläutert Pacholeck. Und: „Was viele nicht wissen: Laut Gesetz müssen Vermie­ter Umbaumaßnahmen dulden."

Quelle: Freie Preise, 11.12.2015